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Warum ich jahrelang dachte, dass etwas mit mir nicht stimmt

Es gab viele Momente in meinem Leben, in denen ich dachte:
Irgendetwas stimmt mit mir nicht.

Nicht, weil mir das jemand direkt gesagt hätte.
Sondern weil ich immer wieder merkte, dass ich Dinge anders wahrnehme als die Menschen um mich herum.

Strumpfhosen, die mich wahnsinnig gemacht haben.
Bürolampen, von denen ich Kopfschmerzen bekam.
Pullover, die ich keine fünf Minuten tragen konnte, weil sie kratzten.

Und dann der Lärm im Großraumbüro.

Gespräche von links.
Telefonate von rechts.
Tastaturen, Schritte, Stimmen.

Während andere scheinbar ganz normal arbeiteten, fühlte ich mich, als würde mein Kopf irgendwann einfach abschalten.

Lange Zeit hatte ich dafür nur eine Erklärung:

Ich bin einfach zu empfindlich.

Heute weiß ich:
Ich bin hochsensibel.

Aber bis ich das verstanden habe, sind viele Jahre vergangen.

Dreimal Burnout – und trotzdem keine Antworten

Ich bin dreimal in ein Burnout gelaufen.

Dreimal.

Und jedes Mal dachte ich:
Dieses Mal schaffe ich es wirklich, mich zu erholen.

Ich war in Behandlung.
Ich habe Auszeiten genommen.
Ich habe versucht, langsamer zu werden.

Und trotzdem landete ich immer wieder an derselben Stelle.

Was ich damals nicht verstanden habe:

Es lag nicht daran, dass ich zu schwach war.
Und auch nicht daran, dass ich nicht genug an mir gearbeitet hatte.

Es lag daran, dass ich nie verstanden hatte, wie mein Nervensystem funktioniert.

Und was ich brauche, um nicht immer wieder in diese totale Erschöpfung zu rutschen.

Aber das wusste ich damals noch nicht.

Damals hatte ich nur Fragen.

Die Fragen, die mich jahrelang begleitet haben

„Warum sagen alle immer: Sei nicht so empfindlich?“

Das war wohl der Satz, den ich am häufigsten gehört habe.

Und irgendwann fängst du an, ihn zu glauben.

Du versuchst, weniger empfindlich zu sein.
Du redest dir ein, dass dich das alles nicht so sehr stören sollte.

Du funktionierst.

Aber innerlich bist du die ganze Zeit damit beschäftigt, Dinge auszublenden, die dich längst überwältigt haben.

 

Warum werden mir Kleidung und Essen zur Geduldsprobe?

Schon als Kind haben mich Strumpfhosen wahnsinnig gemacht.

Sie haben gejuckt und gekratzt, und ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren.

Ich habe Kleider geliebt – aber nur im Sommer, wenn ich keine Strumpfhosen brauchte.

Das ist bis heute so.

Pullover, die kratzen, kann ich nicht tragen.
Kleidung, die einengt, halte ich nicht aus.
Pumps, die weh tun, kommen nicht an meine Füße.

Nicht weil ich keine Lust habe oder weil mir egal ist, wie ich aussehe.

Sondern weil mein Körper ganz klar sagt:

Das geht einfach nicht.

Ähnlich beim Essen.

Es gibt Konsistenzen, die ich nicht essen kann.
Nicht weil sie nicht schmecken – sondern weil sich das Gefühl im Mund so unangenehm anfühlt, dass es mir unmöglich ist, es herunterzubekommen.

Früher habe ich mich dafür geschämt.

Heute verstehe ich, was dahintersteckt.

 

Warum bekomme ich Kopfschmerzen, wenn die anderen nichts spüren?

Im Büro hatte ich oft Kopfschmerzen.

Irgendwann habe ich herausgefunden, dass sie von der Deckenbeleuchtung kamen.

Als ich einmal vorsichtig gefragt habe, ob wir das Licht vielleicht ausschalten könnten, hat mich die Reaktion meiner Kolleginnen und Kollegen wirklich verwirrt.

Irritierte Blicke.
Ein leichtes Schulterzucken.

Denen macht das offensichtlich nichts aus, dachte ich.

Also was stimmt mit mir nicht?

Ich dachte immer, dass andere Menschen dieselben Dinge wahrnehmen wie ich.

Nur dass sie irgendwie besser damit klarkommen.
Oder sich weniger beschweren.
Oder einfach mehr aushalten.

 

Warum kann ich im Großraumbüro nicht arbeiten?

In einem Großraumbüro war ich immer ein bisschen verloren.

Geräusche von links.
Gespräche von rechts.
Bewegungen überall.

Ich habe alles aufgesogen.

Mein Blick ist ständig durch den Raum gewandert, und konzentriert arbeiten war so gut wie unmöglich.

Und dann fing ich an, mich mit anderen zu vergleichen.

Die schaffen das doch auch irgendwie.

Warum ich nicht?

Sobald ich aber alleine war oder es ruhig um mich herum wurde, passierte etwas Merkwürdiges.

Ich konnte mich plötzlich vollständig konzentrieren.

Ich arbeitete schnell, fokussiert – manchmal stundenlang ohne aufzuschauen.

Bei exakt derselben Arbeit.

Ich habe lange nicht verstanden, warum das so war.

 

Warum spüre ich Stimmungen und Gefühle so intensiv?

Etwas anderes hat mich lange genauso verwirrt.

Ich habe oft sofort gemerkt, wenn sich die Stimmung in einem Raum verändert hat.

Ein anderer Tonfall.
Ein Blick zwischen zwei Menschen.
Eine kleine Spannung in der Luft.

Manchmal spürte ich sogar, wenn es jemandem nicht gut ging – noch bevor die Person selbst etwas gesagt hat.

Lange dachte ich, dass alle Menschen das so wahrnehmen.

Erst später habe ich verstanden, dass diese feinen Wahrnehmungen ein typisches Merkmal von Hochsensibilität sind.

 

Warum brauche ich so viel Zeit für mich?

Ich bin jemand, der gerne alleine ist.

Wirklich gerne.

Nicht weil mir Menschen egal wären, sondern weil ich diese Stille brauche, um meine Gedanken zu sortieren und wieder bei mir anzukommen.

Wenn ich diese Zeit nicht bekomme, merke ich irgendwann, wie ich innerlich leer werde.

Wie eine Batterie, die sich entlädt und nie wieder richtig aufgeladen wird.

Früher habe ich das nicht wirklich akzeptiert.

Ich habe Fernsehen geschaut, nicht weil mich die Sendungen interessierten, sondern weil es der einzige Moment war, in dem Ruhe herrschte.

Der lange Weg zur eigenen Identität

Neben all dem gab es noch etwas anderes, das mich beschäftigt hat:

Die ständige Suche nach Sinn.

Im Job.
Im Leben.
In dem, was ich tue.

Nach meinem Studium schien der Weg erst klar.

Aber irgendwann merkte ich immer deutlicher, dass sich etwas nicht richtig anfühlte.

Nicht dramatisch falsch.

Eher wie ein leises, anhaltendes Unbehagen.

Heute weiß ich:

Ich hatte mir nie wirklich die Zeit genommen, mein eigenes Ich kennenzulernen.

Ich hatte nie akzeptiert, dass ich vielleicht einfach anders ticke als andere.

Und ich hatte nie verstanden, dass Hochsensibilität in jeder Lebenslage eine Rolle spielt.

Beim Lernen.
Beim Arbeiten.
In Beziehungen.
In meinem Körper.

Ich hatte nie die Sprache dafür.

Der Moment, in dem plötzlich alles Sinn ergab

Als ich irgendwann erfahren habe, dass ich hochsensibel bin, hat sich in meinem Kopf etwas verschoben.

Nicht weil ich plötzlich eine Schublade hatte.

Sondern weil so viele Dinge plötzlich eine Erklärung hatten.

Und ja – Hochsensibilität (HSP) ist keine medizinische Diagnose.

Es ist kein Krankheitsbild und auch kein offizielles Label.

Aber für mich war dieses Wort unglaublich wichtig.

Zum ersten Mal hatte ich eine Sprache für Dinge, die ich mein ganzes Leben gespürt hatte, aber nie erklären konnte.

Zum ersten Mal konnte ich verstehen, warum mein Körper so reagiert.
Warum mein Nervensystem schneller überlastet.
Warum ich Stimmungen so stark wahrnehme.

Dieses Wort hat mir nicht gesagt, wer ich sein muss.

Aber es hat mir geholfen, mich selbst endlich zu verstehen.

Endlich verstand ich:

  • warum mir Bürolampen Kopfschmerzen machen

  • warum ich die Stimmung in einem Raum sofort spüre

  • warum ich merke, wenn es jemandem nicht gut geht

  • warum sich Atmosphären für mich sofort verändern

  • warum mich Gefühle anderer Menschen manchmal so berühren, als wären es meine eigenen

Mit diesem Wissen wurde mir noch etwas anderes klar:

Wenn ich meine Energie nicht schütze und mein Leben nicht an meine Bedürfnisse anpasse, werde ich immer wieder in der Erschöpfung landen.

Das ist keine Schwäche.

Das ist einfach, wie ich funktioniere.

Und solange sich das nicht ändert, ändert sich auch das Muster nicht.

Das war für mich ein riesiger Gamechanger.

 

10 typische Anzeichen von Hochsensibilität

Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Punkte wieder:

  • Du nimmst Stimmungen in Räumen oder zwischen Menschen sehr schnell wahr

  • Geräusche, Licht oder viele Eindrücke überfordern dich schneller als andere

  • Du brauchst regelmäßig Zeit alleine, um dich zu regenerieren

  • Kleidung oder bestimmte Materialien können sich extrem unangenehm anfühlen

  • Du reagierst stark auf Stress oder Konflikte

  • Du denkst viel über Dinge nach und reflektierst sehr tief

  • Du bist sehr empathisch und spürst Gefühle anderer stark

  • Du brauchst Sinn in dem, was du tust

  • Du arbeitest am besten in ruhiger Umgebung

  • Du fühlst dich schneller erschöpft, wenn zu viele Reize auf dich einwirken

Diese Eigenschaften werden oft als Merkmale hochsensibler Menschen (HSP) beschrieben.

 

Ich bin neurodivergent und das war ich schon immer

Heute sage ich das ohne Zögern.

Ich ticke anders.
Und es gibt ein Wort dafür.

Das bedeutet nicht, dass etwas mit mir nicht stimmt.

Es bedeutet, dass ich mein Leben so gestalten darf – und muss – wie es zu mir passt.

Der einzige Unterschied zu früher:

Ich hatte damals weder das Wissen noch den Raum, um mich selbst wirklich zu verstehen.

Ich hatte einfach versucht zu funktionieren.

Und genau das hat mich dreimal in den Burnout getrieben.

 

Erkennst du dich ein bisschen wieder?

Wenn du beim Lesen irgendwo gedacht hast:

„Das kenne ich irgendwie auch.“

Dann lohnt es sich, dieser Frage nachzugehen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass du hochsensibel bist.

Aber je früher du verstehst, wie du wirklich funktionierst, desto eher kannst du aufhören, gegen dich selbst zu arbeiten.

Und anfangen, mit dir zu arbeiten.

👉 Hier kannst du den HSP-Test machen und herausfinden, ob Hochsensibilität ein Teil von dir ist.

Kein Ergebnis definiert dich.

Aber Antworten können dein Leben verändern.

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